Bonding-Tradition Vatted Malt

Zusammen starten Thomas Klink vom Whisky Warehouse No. 8 und und Kay Hoffmann, Zweistein Whisky, das Blended-Malt-Projekt Sharelock. Das erste Kapitel schlugen sie am vergangenen Wochenende auf: Bei zwei Release-Tastings am 27. und 28. März 2026 konnten die Teilnehmenden fünf der enthaltenen Single Malts und die fertige Komposition verkosten.


SHARELOCK – The Secrets of Vatted Malt Whisky, Kapitel 1
Blended Malt Whisky | 0,5 Liter | 55,5 %vol | 59,50 Euro
Erhältlich im Online-Shop von The Whisky Warehouse No. 8 oder als Bestellung per E-Mail an zweistein@whiskymessewuppertal.de.



Gute Ideen müssen nicht neu sein.

Thomas erzählt, wie das Sharelock-Projekt zustande kam: „Kay macht seit 2017 in Dithmarschen, seiner Heimatregion und in Wuppertal deutschen Whisky – und zwar in irischer Bonding-Tradition: Er lässt in verschiedenen deutschen Destillen Single Malt Newmakes nach seinen Vorstellungen produzieren, lagert sie selbst und vermählt sie später zu unterschiedlichen Geschmacksbildern. Die Idee ist uralt. Und das kann man auch mit schottischen Single Malt Whiskys machen. Vatted Malts gab es ebenfalls schon immer, heute werden sie nur Blended Malts genannt. Also habe ich Kay vor zwei Jahren (2024) in Trebsen auf der Messe angesprochen. Er war sofort begeistert davon, das Blending für so ein Projekt zu übernehmen. […] Die Besonderheit liegt darin, dass wir mit sehr kleinen Auflagen arbeiten wollen. Für die erste Abfüllung waren es knapp über 100 Liter. […] Wegen des Wortspiels mit der berühmten Romanfigur Sherlock Holmes bezeichnen wir unsere Abfüllungen als Kapitel. […] Die Serie erscheint in 50-cl-Flaschen.“

Blended Malt / Vatted Malt

Technisch handelt es sich um einen Verschnitt aus Single Malt Whiskys verschiedener Brennereien. Nach der europäischen Spirituosenverordnung und den Regeln der Scotch Whisky Association (SWA) ist die Verkehrsbezeichnung für so ein Produkt heute „Blended Malt Whisky“. Ein „Blend of Malts“ ist das gleiche. Vor den einheitlichen Regelungen nannte man diese Art Whiskys „Vatted Malts“. Das englische Wort vat bedeutet je nach engerem Zusammenhang „Bottich“, „Fass“ oder „Gebinde“. Die alte Bezeichnug nimmt Bezug auf die Vermählung der Komponenten in einem marrying vat oder blending vat.

Bei so kleinen Chargen müssen die Komponenten, speziell die geschmacksintensiven oder abrundenden Malts, nicht in großen Mengen verfügbar sein. Wenn Thomas seine Single Malts beispielsweise in kleinere Fässer umlagert, bleiben regelmäßig einige Liter übrig. Zu wenig für eine Abfüllung, aber genau richtig, um als „Gewürz-Komponenten“ für abwechslungsreiche Small Batch Vattings zu dienen. „Ausserdem können wir auf unterschiedlichste Überhänge aus vergangenen Abfüllungen zurückgreifen und aus seinem umfangreichen Stock in Schottland und Winsen auch Teilmengen abrufen und verwenden. Möglichkeiten ohne Ende!“, freut sich Kay.

Parallel wurde begonnen, Komponenten gezielt für künftige Sharelock-Kapitel anzulegen. Thomas führt aus: „Weil wir optimistisch an die Sache rangehen, haben wir New Makes, Young Spirits und drei, vier Jahre alte Fässer in Schottland eingekauft. Wir holen sie hier rüber und lagern sie bei uns. Das ist die Sharelock-Kombination: Schottische Single Malt Spirits in Deutschland gelagert, in Deutschland zum Geschmacksbild vereint.“


Fassmanagement

„Wir kaufen beispielsweise ein Barrel in Schottland und füllen dann Octaves (60 Liter) verschiedener Sherry-Arten – Paolo Cortado, Oloroso, PX – mit diesem jungen Whisky“, geht Thomas ins Detail. „Eine Küferei in Andalusien baut diese Octaves für mich aus den Dauben ehemaliger Sherryfässer auf. Wir belegen aber auch andere Fasstypen, etwa Quarter Casks, oder welche aus ungarischer Eiche. Dadurch ensteht eine unheimliche Vielfalt. Das ist für uns wichtig, weil wir keine Riesenmengen brauchen, sondern – klein aber fein – den Zugriff auf viele verschiedene Komponenten, um damit Rezepturen für die Sharelock-Kapitel kreieren zu können.“

Es geht bei dieser Serie also nicht darum, durch Blending ein gleichbleibendes Produkt zu erzeugen, sondern im Gegenteil: Mit jeder Abfüllung wollen Kay und Thomas eine neue Geschichte erzählen.

Einen Whisky entwerfen

Für das erste Sharelock-Kapitel ging Kay nach seinem bewährten Muster vor: „Wenn ich eine Abfüllung plane, schließe ich mich für ein Wochenende ein und entwickle die Rezeptur. Wenn ich dann am Arbeitstisch zur Ruhe gekommen bin, nehme ich erst mal die Samples wahr, schaue mir an, was zur Verfügung steht. Dabei formt sich meist schon eine Idee davon, wohin die Reise gehen wird – oder mit diesem Set überhaupt gehen kann. […] Sharelock Kapitel 1 sollte ein warmes Willkommen sein, ein schottischer Charakter, stark, umarmend. Rauch sollte nicht fern liegen, aber allen anderen Noten sollte viel Raum bleiben, während er sich Stück für Stück entfaltet. Ausserdem sollte der Whisky trotz seiner Komplexität eine schöne Süffigkeit haben, sodass es sowohl Spaß macht sich tiefer sensorisch mit ihm zu befassen, als auch ihn einfach nur entspannt zu genießen“

Mehrere Entwürfe mischt Kay mit der Pipette auf 0,5 ml genau an, ändert, verfeinert und beurteilt sie immer wieder. „Zunächst baue ich ein Grundgerüst. Damit nähere ich mich grob dem, was ich als Idee im Kopf habe. Geschmacksintensive und komplexe Malts geben dem Ganzen dann Rückgrad und Würze – damit bestimme ich den Charakter des Whiskys.“

Während der Rezeptfindung arbeitet Kay mit den Komponenten in ihrer natürlichen Fassstärke. Die spätere Flaschenfüllstärke wird im nächsten Schritt ermittelt, denn abhängig vom Alkoholgehalt präsentieren sich die Aromen unterschiedlich. „Für Sharelock haben wir bezüglich Alkoholgehalt keine Regel,“ erklärt Kay. „Wie bei meinen Kompositionen sonst auch probiere ich von 47 % vol aufwärts die Herabsetzung. Kapitel 1 erscheint mit 55,5 % vol in Fasstärke und wir finden ihn so wunderbar. Es kann aber auch ein Sharelock kommen, der herabgesetzt ist.“

Für das eigentliche Vatting rechnet Kay die Anteile im Rezept auf 50-Liter-Stahltanks hoch und misst sie sorfältig ab. Die Gesamtmenge der Charge verteilt er gleichmäßig auf mehrere Tanks. „Wir sind dadurch flexibler und mobiler, als wenn wir in großen Tanks arbeiten würden.“ Anschließend ruhen die Mischungen: „Wir brauchen mindestens sechs Wochen Vermählungszeit, aber eher bis zu drei Monate. Das spielt eine wichitge Rolle, damit sich die Aromen harmonisch miteinander verbinden.“

Das Kapitel 1 wurde nicht herabgesetzt. Sollten sich Kay und Thomas bei zukünftigen Abfüllungen für eine Trinkstärke entscheiden, reduziert Kay das Batch nach der Vermählung auf den vorgesehenen Alkoholgehalt. Dabei geht er in einem Schritt vor. „Wichtig ist, dass der Whisky und das Wasser genau die gleiche Temperatur haben, wenn ich herabsetze. Nach der Herabsetzung gebe ich dem Whisky dann mindestens noch einmal einen Monat, um sich zu beruhigen und zu harmonisieren.“